Nach 1920 erwarb Friedmund Giesche das Grundstück an der Ecke Lindestraße / Dorfstraße und verwandelte die Scheune des ehemaligen Bauernhofs Catholy in eine Schmiede mit Hufbeschlag und Stellmacherei. Die Baugenehmigung für diesen Umbau stammt aus dem Jahr 1928, obwohl nicht alle geplanten Änderungen vollständig umgesetzt wurden. Dennoch war damit der Grundstein für das Unternehmen Giesche & Sohn an diesem Standort gelegt. Schritt für Schritt erweiterte sich der Betrieb: Es folgte die Herstellung von Drahtgeflechten sowie die Einrichtung einer Autoreparaturwerkstatt mit Tankstelle. Auch der ehemalige Viehstall wurde umgebaut und beherbergte nun ein Geschäft mit Schaufenstern, in dem Eisenwaren und Werkzeuge, aber auch Haus- und Küchengeräte, Glas- und Porzellanwaren, Spielsachen und sogar Tabakwaren verkauft wurden. Später kam der Handel mit Baumaterialien, insbesondere Stabeisen, hinzu.
Als der tüchtige Handwerksmeister und Geschäftsmann Friedmund Giesche 1961 verstarb, hatte die Firma ihre einstige Bedeutung bereits eingebüßt. Im System der DDR dominierte die Planwirtschaft und ließ kaum noch Raum für unternehmerisches Engagement. Mit dem Tod seines Sohnes, Schmiedemeister Artur Giesche, im Jahr 1972, fand die Firma ihr endgültiges Ende, und auch die letzte Dorfschmiede in Petershagen schloss ihre Tore. Der Verfall der Gebäude setzte ein, und vieles wurde bereits zu Beginn der 1990er Jahre abgerissen.
Doch ein Hoffnungsschimmer blieb: Der im letzten Jahr durch die Gemeindevertretung beschlossene Bebauungsplan sicherte das Bauwerk und erkannte die Schmiede als prägendes städtebauliches Element an. Die Jahre der Vernachlässigung haben jedoch ihre Spuren hinterlassen, und das aus Feldsteinen errichtete Zwickelmauerwerk weist an vielen Stellen bereits Lücken auf. Beim Zwickeln müssen diese „Lücken“ möglichst vollständig und kraftschlüssig ausgefüllt werden, um einen stabilen Verbund zu erzeugen. Leider ist diese alte Handwerkskunst inzwischen selten geworden, weshalb die Suche nach einem Experten nicht einfach war. Nun kann jedoch die Instandsetzung der Fassade beginnen, und insbesondere die Laibung der Fenster wird wiederhergestellt. Im nächsten Jahr könnte dann die Dachfläche überarbeitet und auf der Südseite möglicherweise eine PV-Anlage installiert werden. Ein wesentlicher Schritt wird auch die Errichtung der Stellplatzanlage sein, die sowohl den Bedarf des Dorfsaals als auch der geplanten neuen Bibliothek decken soll. So kommen Neues und Geschichte an einem Ort zusammen…
Text: Marco Rutter Bürgermeister & Hanns Otto Brahms, Online Redakteur



